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Die Lange Ausfahrt für den Guten Zweck

Hauke Theiler (55) und Andreas Deneser (38), beide wohnhaft in Wilhelmshaven, eint die Freude am Radfahren. Genauer: die Freude am möglichst schnellen Rennradfahren. Kennengelernt haben sich die beiden über eine Online-Plattform für Sportler bei dem Versuch sich gegenseitig die Rekorde auf lokalen, virtuell abgesteckten Streckenabschnitten, den sogenannten "King of the Mountain"-Titel, der tatsächlich auch im hiesigen Flachland verliehen wird, abzujagen. So aufeinander aufmerksam geworden folgten Verabredungen zu gemeinsamen Ausfahrten und ein Kennenlernen "im echten Leben".

Nach den ersten zügigen Ausfahrten wuchs die Idee, am kommenden Wochenende (21.08.-23.08.2020) eine sogenannte "Super Randonnée" zu absolvieren. Da Rennräder naturgemäß auf Geschwindigkeit getrimmt sind und die Zulademöglichkeiten durch den Leichtbau begrenzt sind, musste etwas Neues her: Gravel Bikes. Was früher verpönt war, weil es als unsportlich galt, ist heute wieder salonfähig: Rennräder mit Schutzblechen und Gepäckträger.

Ein Super Randonnée ist eine permanente Radveranstaltung mit mindestens 600 km Gesamtstrecke und über 10 000 hm, die zu jeder Zeit gefahren werden kann. Die gesamte Strecke ist dabei entweder in der Randonneur-Version innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits von 60 Stunden oder in der Touring-Version mit mindestens 75 km pro Tag aus eigener Muskelkraft zu absolvieren, ohne dass sich die Radfahrer auf Begleitfahrzeuge für Gepäck und Ersatzteile stützen können. Da es sich nicht um ein organisiertes Rennen handelt, dokumentieren die Fahrer alle Kontrollstellen selbst mit einem Beweisfoto.

In Norddeutschland sind solche Veranstaltungen wegen der geforderten Höhenmeter rar gesät, so dass die nächstgelegene Veranstaltung dieser Art im Sauerland stattfindet. Da sowohl Theiler als auch Deneser stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen sind, versteht es sich von selbst, dass für die beiden nur die Randonneur-Variante in Frage kommt. Vielleicht auch deshalb, weil sich diese an einem Wochenende "abhaken" lässt und Urlaubstage für die Familien schont.

Die vorgegebene Strecke führt vom Start bei Wuppertal über Iserlohn und Menden an die Südgrenze des Ruhrgebiets, über Korbach zum westlichsten Punkt am Edersee, weiter über Franken- und Winterberg hoch auf den Kahlen Asten (mit 842 m für die beiden Küstenbewohner ein wahrer Gigant!), dann in einem großen Bogen südlich um Siegen herum und schließlich wieder zurück zum Ausgangspunkt nach Wuppertal. Mit dem geplanten Start am Freitagmorgen um 8:00 Uhr müssten die Radsportler also am Sonntagabend vor Beginn der Tagesschau wieder am Ausgangspunkt ankommen.

Aus strategischen Gründen wird die Gesamtstrecke in drei Tagesetappen zu 250 km, 200 km und 150 km eingeteilt, in der Annahme, dass der Körper die erste und längste Etappe noch klaglos wegstecken kann, um sich an den beiden Folgetagen mehr und mehr "erholen" zu können. Die reine Strecke schreckt nicht so sehr, da beide Fahrer lange Touren jenseits der 200 km aus der Heimat gewohnt sind. Völlig neu dagegen sind natürlich die Steigungen in diesem Ausmaß. Es gilt also, die Packtaschen am Rad nur mit dem allernötigsten zu befüllen, gleichzeitig aber auf einige Eventualitäten gut vorbereitet zu sein. Braucht es also für jeden Tag ein frisches Trikot oder reicht eines, das dann abends im Hotel gewaschen wird? Salbe für kleine wunde Stellen und Verbandszeug für andere Wunden ist wohl unverzichtbar, ebenso wie ein paar Energieriegel für unterwegs.

Natürlich ist so ein Super Randnée ein Egotrip, auf dem sich zwei Kerle in der Blüte ihres Lebens beweisen wollen, was sie draufhaben. Gleichzeitig wollen die sympathischen Athleten ihr persönliches Erlebnis mit einer guten Tat verbinden. “Diese Fahrt wird wohl nicht ganz ohne Schmerzen ablaufen, aber wir können uns immerhin glücklich schätzen, dieses temporäre Leiden selbst wählen zu können”, so Theiler, der mittlerweile in Kreisen des TSR Olympia Wilhelmshaven für “ungewöhnliche” Vorhaben bekannt ist. 

In diesem Zusammenhang rufen die beiden mit dieser Fahrt zu Spenden für das KINDER- UND JUGENDHOSPIZ JOSHUAS ENGELREICH auf. Spender können sich über https://betterplace.org/f35729 beteiligen. Das Spendenziel ist 600€, also für jeden gefahrenen Kilometer ein Euro.

Die Triathleten des TSR Olympia Wilhelmshaven wünschen Andreas und Hauke viel Glück, Erfolg und Kraft für die nächste Kurbelumdrehung bei dieser Grenzerfahrung.

2020 08 23 Super Randonee 2

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